Dem Bayer Simon Schwarz gelang wie schon im letzten Jahr das perfekte Rennen beim ICAN Nordhausen. Nach 3:54:44 Minuten blieb er zwar knapp eine Minute über den Streckenrekord aus 2016, verwies dafür aber mit fast zehn Minuten Vorsprung Topfavorit Christian Kramer (Bike 24 TriTeam) auf Platz zwei, der nach fünf Siegen beim Scheunenhof-Triathlon von 2008 bis 2012 erstmals in Nordhausen geschlagen wurde. Das Rennen um Rang drei entschied der Kamenzer Sebastian Guhr auf der letzten Laufrunde für sich. Beim Damenrennen ging der Sieg an Lokalmatadorin Katja Konschak (Orthim Triathlon Team). Trotz der krankheitsbedingten Absage von Jenny Schulz hatte diese aber mehr Mühe als ihr eigentlich lieb war, denn die Bonner Bundesliga-Starterin Henriette Grassmann präsentierte sich über weite Strecken als ebenbürtige Gegnerin. Über die kürzere Distanz des ICAN64 (1km Schwimmen, 53km Radfahren, 10km Laufen) gewannen Hannah Deuring und Stephan Knopf. Insgesamt fanden während des gesamten Triathlon-Wochenendes über 600 Triathletinnen und Triathleten den Weg in den Südharz.

Schon das Schwimmen im klaren Sundhäuser See verlief für Simon Schwarz (MRRC München) hervorragend und brachte den hochaufgeschossenen früheren Mittelstreckenläufer in eine hervorragende Ausgangsposition. Nicht mal zwei Minuten hinter dem Spitzentrio um Nils Dehne (Bonn), Marcus Wöllner (Bike24 TriTeam) und dessen Trainingskamerad Christian Kramer ging es auf die wellige Radstrecke in den Vorharz. Dort übernahm zunächst Wöllner die Initiative, setzte sich langsam aber sicher von Alpe d ́Huez-Sieger Kramer, der bereits in drei Wochen beim Ironman Wales startet, ab und baute bis zum zweiten Wechsel sein Polster auf knapp zwei Minuten aus. Doch dann kam die Wackeldisziplin des 28-Jährigen: In den Vorwochen hatte er nämlich sowohl mit Knieproblemen als auch in den letzten Tagen mit einer Rückenblockade zu kämpfen. „Das behinderte mich doch ziemlich stark, ich litt die ganze Laufstrecke über unter Schmerzen“, so Wöllner, der sich trotzdem lange auf Platz drei hielt und am Ende Fünfter wurde.

Von hinten machten von Beginn des Laufens an Christian Kramer und Simon Schwarz druck und vor allem Schwarz war es, der durch ein schneller Angangstempo die Konkurrenz unter Druck setzen wollte. Nicht mal zehn Kilometer benötigte der 27-Jährige, um seinen vierminütigen Rückstand in einen über zweiminütigen Vorsprung umzuwandeln. Bis ins Ziel ließ Schwarz, im Juli absolvierte er in Roth in 8:41 Stunden seine erste Langdistanz, auch nix mehr anbrennen – er ist damit der erste Athlet überhaupt, dem beim ICAN Nordhausen eine Titelverteidigung gelingt. „Das Schwimmen war wirklich super und im Radfahren konnte ich den Abstand halten. Auf dem Halbmarathon habe ich dann schnell versucht, auf die anderen Zeit gut zu machen. Dass ich aber so früh aufschließen und vorbeigehen kann, hätte ich nicht erwartet. Die Laufstrecke liegt mir wirklich gut“, so Schwarz anschließend. Im Kampf um die weiteren Podestplätze spielte Christian Kramer seine ganze und wurde trotz diesmal schlechter Beine ungefährdet Zweiter: „In Wales möchte ich mich natürlich dann noch mal steigern, bekanntlich folgt ja auf eine schlechtere Generalprobe eine gute Premiere. Gegen Simon war leider kein Kraut gewachsen, er ist der verdiente Sieger.“ Spannend wurde das Rennen um Rang drei, indem Sebastian Guhr, Erster des traditionellen Schlosstriathlons in Moritzburg über die Mitteldistanz in diesem Jahr, auf Marcus Wöllner Minute um Minute gut machte und den Leipziger auf der letzten Runde stellte. Auch der „Rirst out of the Water“, Nils Dehne, zog mit der drittschnellsten Laufzeit noch an dem Athleten des mitteldeutschen Pro Triathlon Teams vorbei und wurde Vierter.

Im Damenrennen musste die Frankfurter Profi-Triathletin Jenny Schulz kurzfristig absagen, sodass es nicht zum erwarteten Duell mit Lokalmatadorin Katja Konschak kam. Trotzdem war es zu Beginn nicht die Nordhäuserin, die in ihrem Heimrennen den Ton angab. Die Bundesliga-erfahrene Henriette Grassmann stieg nicht nur als Erste aus dem Wasser, sondern bewies auch auf dem Rad Stehvermögen und wechselte mit knapp vier Minuten Vorsprung auf den abschließenden Lauf. Dabei blieb sie auch cool, als Konschak gegen Ende der ersten Radrunde bereits an ihr vorbeizog und beschleunigte anschließend noch mal, woraufhin die fünffache Hawaii-Starterin abreißen ließ. „Auf dem Rad hat es sich heute sehr schwer angefühlt als ob etwas geschliffen hätte, dafür war das Laufen danach umso besser“, so Konschak. Hier zündete die zweifache Mutter vor heimischem Publikum noch mal den Turbo und zeigte, dass sie nach dem krankheitsbedingten Ausstieg beim Ironman Germany langsam wieder in Tritt kommt. In der dritten der insgesamt vier Laufrunden zog sie an ihrer wacker kämpfenden Kontrahentin vorbei und sicherte sich den vierten Sieg in der fünften Auflage. Einzig Suse Werner gelang es 2015, Konschak in „ihrem Wohnzimmer“ zu bezwingen.

Die Siege beim ICAN 64 gingen an die Hannoveranerin Hannah Deuring und Stephan Knopf aus dem Orthim Triathlon Team. Die Niedersächsin war bereits im Schwimmen Zweite und übernahm auf dem Rad schnell die Führung, die sie bis ins Ziel auch nicht mehr abgab. Das Podest vervollständigten Anja Leuendorff (Berlin) und Aenne Frederike Heins (Buxtehuder SV). Ähnlich gestaltete sich die Herrenkonkurrenz, in der Stephan Knopf als Elfter dem Sundhäuser See entstieg und in der zweiten Teildisziplin die Spitze übernahm und durch die schnellste Laufzeit zementierte. Hinter ihm erreichten Markus Schuhhardt (LAC Eichsfeld) und Sebastian Heinze (TV 1848 Coburg) das Ziel am Nordhäuser Theater.

Ergebnislisten des Scheunenhof-Triathlons 2017 finden Sie hier.

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